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 Von Thomas Lukscheider
Der „Goldrausch“ auf dem Kredit- und Immobiliensektor begann, als in den Jahren 2000 und 2001 der damalige US-Notenbank-Chef Alan Greenspan die Leitzinsen radikal senkte, um die Crashs im Gefolge der „New Economy“-Blase und der Terroranschläge vom 11. September 2001 abzufedern.
Fast vier Jahre lang lagen die US-Leitzinsen auf einem Rekordtief unterhalb der 2-Prozent-Marke. Ein Run auf die neuen Kredite zur günstigen Umschuldung (Refinanzierung) oder zum Hauskauf setzte ein. Das führte zu einem rasanten Anstieg der Immobilienpreise. Nicht wenige Banken in den USA und Großbritannien machten mit dem Angebot einer bis zu 125prozentigen Fremdfinanzierung Jagd auf Kunden nach dem Motto: „Kauf ein Haus auf Kredit und hol dir auch noch das Bargeld für einen Sportwagen und Luxusurlaub ab!“.

Immobilienkredite in den angelsächsischen Ländern sind nicht so streng zweckgebunden wie bei uns in Deutschland. Wenn der Kunde klamm war, half das System der „self-certification“ nach. Dann stellte sich der Schuldner eben selbst eine Bescheinigung über seine Einkommenshöhe aus – und die Banken akzeptierten üblicherweise. Die billigen Kredite erzeugten einen ungeheuren Konsumschub, heizten die Spekulation an und lockten in hellen Scharen eine ganz besondere Spezies auf die Finanzmärkte: die Hedgefonds-Manager. Das äußerst seriöse und üblicherweise bestens informierte Wirtschaftsmagazin „Economist“ stellte schon Mitte 2005 fest: „80 Prozent der amerikanischen Wirtschaft werden vom Konsum getrieben, 90 Prozent des Wachstums der letzten 4 Jahre gehen auf die nachfragestärkende Niedrigzinspolitik zurück“ - im Klartext auf hemmungslose private Verschuldung.
Nicht die Überlegenheit „neoliberaler“ Wirtschaftspolitik oder gar die die ökonomische Intelligenz der US-Administration steckt hinter dem Boom und den Wachstumsraten der USA, sondern eine exorbitante private Verschuldung der US-Bürger. Heute sind allein die amerikanischen Hauskäufer und Immobilienspekulanten mit mehr als 10.000 Milliarden Dollar verschuldet. Zum Vergleich: Das BIP der USA beträgt zur Zeit rund 13.000 Milliarden Dollar, das Japans 4.500, das Deutschlands rund 2.900 Milliarden. Während die Sparquote in Frankreich, Schweden, Deutschland oder Holland bei um die 9 Prozent liegt, liegt sie in den USA heute bei minus 1,1 Prozent. Keine Subprimes - oder doch?
Woher kam aber das Geld für die oft geradezu frivole Kreditvergabe in den USA? Und was hat das alles mit unseren Banken zu tun? Beteuern nicht die Institute fast schon stündlich, dass sie keine Subprimes, also keine faulen Kredite an Kunden mit fragwürdiger Bonität im Portfolio haben? Seltsam ist nur, dass so viele, die zunächst empört jeden Verdacht öffentlich von sich gewiesen haben und ihre Risiken verniedlichten, plötzlich über Nacht in halsbrecherische Engpässe geraten, die ein Eingreifen staatlicher Institutionen erfordern. Hier spielen die Vernebelungsmechanismen des neoliberalen Casinos eine große Rolle. Es wurden Vergabelabyrinthe und ein Gestrüpp aus Finanzkonstrukten (Fachausdruck „Derivate) aufgebaut, die schon bei der Enron-Pleite eine verhängnisvolle Rolle spielten und die auch die sogenannten Finanzexperten nicht mehr im Detail durchschauen.
In der Tat haben die deutschen Banken kaum direkt „faule Kredite an fragwürdige Kreditnehmer“ vergeben, aber sie haben sie haben nicht selten und nicht zu knapp in ihren Fonds genau solche Papiere, die zum erheblichen Teil auf faulen Krediten beruhen. Fannie Mae und Freddie Mac sind die größten Hypothekenbanken der Welt. Sie halten rund 45 Prozent aller Hypothekendarlehen der USA und 75 Prozent aller Darlehen auf Einfamilienhäuser. Geschätzte Summe derzeit rund 6.000 bis 7.000 Milliarden Dollar. Die beiden Institute haben Schuldverschreibungen in Höhe von rund 4.000 Milliarden Dollar aus- und weitergereicht. Fannie Mae und Freddie Mac geniessen seit Jahrzehnten das Wohlwollen der US-Administrationen. Die beiden Hypothekenbanken vergeben aber keine Kredite direkt an Hausbesitzer, sondern sie sollen den privaten Banken die Hypotheken abnehmen und so deren Liquidität sichern.
Genau das taten Fannie und Freddie in den vergangenen sechs Jahren ohne Hemmungen und mit offenen Armen. Mit den sehr oft halbseidenen Forderungen und “Schuldüberschreibungen” gingen sie anschliessend auf den Kapitalmarkt und besorgten sich gutes Geld. Emsig halfen ihnen dabei die Hedgefonds. Nachdem nämlich viele „faule Kredite“ durch die Übernahme von Fannie und Freddie quasi zu Staatsanleihen „geadelt“ worden waren, hatten die neoliberalen Alchimisten in den Steueroasen dieser Erde ein wunderbares Täuschungsmittel, um aus diesen Bonds und weiteren dubiosen Papieren schillernde Elixiere aus Wettkontrakten, Futures und Optionen zu mixen, die sie als „Sicherheiten“ anboten und mit deren Hilfe sie weiteres gutes Geld von den seriösen Banken dieser Welt erschleichen konnten.
Damit gingen sie dann auf Beutezug und Firmenjagd. Bei Zentralbanken und den großen Bankverbänden sind die Bonds öffentlich-rechtlicher US-Institute sehr beliebt und geschätzt – und die von Freddie und Fannie machen den größten Teil davon aus. Deren Bonds werden wie Staatspapiere behandelt und deshalb wurde nicht auf Sicherheiten geachtet. Finanzakrobaten und Hexen-Einmaleins So kommt es, dass viele europäische Banken auf Papieren sitzen, die vermeintlich sicher sind, die sogar beste Bewertungen haben, die aber in kürzester Zeit ebenfalls einbrechen können. Denn nur solange die Zentralbanken und großen Bankverbände gutes Geld nachschießen und die involvierten Banken auffangen, sind die Fonds mit solchen Papieren wenigstens teilweise noch für das verkaufbar, was als Wert aufgedruckt ist. Nur weil Bankenchefs und Hedgefonds-Manager teure Anzüge tragen, geht es in der Finanzwelt keineswegs seriös zu. Vielmehr muss man sich das Geschehen auf dem Finanz- und Derivatemarkt so vorstellen wie auf dem Blocksberg in Goethes Faust: „Du musst verstehen! Aus Eins mach Zehn, Und Zwei laß gehen, Und Drei mach gleich, So bist Du reich.“ Die normalen Kleinanleger und Bankberater sind in diesem Spiel hoffnungslos überfordert. Es gab jedoch genug warnende Stimmen: Frank Partnoy, Norbert Blüm, der „Economist“, Oskar Lafontaine, Paul Krugman, Kenneth Galbraith, – sie alle hatten seit Jahren vor der Spekulationsblase gewarnt, schärfere Ratingkriterien und Kapitalverkehrskontrollen gefordert.
Dafür wurden sie von der vereinigten neoliberal geimpften Medienphalanx als Ahnungslose, Miesmacher, Retro-Linke und Scharlatane verunglimpft. Fazit Man sieht wieder einmal: Neoliberale können nicht mit Geld umgehen. Ihr Finanzgebaren endet im Chaos und mit schwersten Schäden für die kleinen Leute und die reell arbeitenden Unternehmen. Denn was sind die Folgen? Überschuldete Familien, denen Obdachlosigkeit droht, weil sie ihre Raten nicht mehr zahlen können, Rentner, deren Pensionsfonds sich in Luft auflösen, ein Banken- und Finanzsystem, das zu kollabieren droht und aus Angst vor Verlusten seriöse Privatkunden und Firmen nicht mehr - oder nur noch viel zu knapp - mit Krediten ausstatten kann. Meistens sind es linke, links angehauchte oder zumindest keynesianisch handelnde Pragmatiker, die die Scherben aufkehren und unter viel Mühen den Karren aus dem neoliberalen Spekulationsschlamassel ziehen müssen, so wie Clinton in den USA nach dem Reagan-Desaster, Kirchner in Argentinien nach der Menem-Misere oder Wowereit und Wolf in Berlin nach der Landowsky-Katastrophe.

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Wer monatlich Geld auf die sichere Seite legen will, ist bei der Bausparkasse gut aufgehoben. Faustregeln, wie der klassische Vertrag den Rendite-Kick bekommt.
Von Simone Gröneweg und Eike Schrimm mehr zum Thema Serie Bausparen - Wege zum richtigen Vertrag München – Viele Bausparer wollen gar keine Immobilie finanzieren, sondern lediglich sichere Zinsen kassieren. Dieses Rendite-Sparen ist bei den Finanzinstituten nicht sehr beliebt. Trotzdem bieten sie noch Tarif-Varianten an, die vor allem das Sparen lukrativ machen. Anleger müssen nur gut auswählen.
Die Deutschen räumen in ihren Portfolios auf: Fonds und Aktien raus, Bausparverträge rein – so könnte man das Sparverhalten derzeit beschreiben. Der Absatz von Investmentfonds brach im ersten Halbjahr um 60 Prozent auf 16,3 Milliarden Euro ein, die Zahl der Aktionäre sank um 540.000. Die Bausparkassen melden dagegen Rekorde: Fast 1,5 Millionen neue Verträge wurden allein bei den privaten Instituten in den ersten sechs Monaten 2004 abgeschlossen. Das sind 6,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und schon 2003 war für die Kassen mit fünf Millionen neuen Verträgen ein Rekordjahr.
Der Bausparvertrag wurde vor allem als renditeträchtige Anlage entdeckt: Wer regelmäßig Geld sicher auf die hohe Kante legen will, erhält bis zu vier Prozent Rendite, mit staatlichem Zuschuss sogar bis zu sechs Prozent. Die Angebote der Institute brauchen den Vergleich mit Konkurrenzprodukten also nicht zu scheuen. So liegt die Rendite von Banksparplänen derzeit zwischen drei und vier Prozent. Wenig verwunderlich, dass etwa bei der Bausparkasse Quelle bereits 70 Prozent der abgeschlossenen Verträge so genannte Rendite-Tarife sind.
Die Bausparkassen sind nicht glücklich über das große Interesse am Rendite-Bausparen. „Das ist nicht unser Kerngeschäft“, sagt Hermann Adam, Referent für Wohnungsbau- und Vermögenspolitik bei der Bundesgeschäftsstelle Landesbausparkassen (LBS). Ziel des Bausparens ist schließlich das gemeinsame Sparen für eine Immobilie: Während der eine noch einzahlt, leiht sich der andere das Geld fürs Eigenheim. Will jeder nur noch Zinsen kassieren, geht die Rechnung für die Bausparkasse nicht mehr auf. „Die Landesbausparkassen sind Finanzierungsinstitute und keine Sparkassen“, betont Adam. „Das Bausparen dient nicht in erster Linie dazu, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen“, heißt es bei der Debeka.
Die Berater bieten deshalb die Rendite-Tarife ungern an, der Sparer muss gezielt danach fragen. Bei diesen Verträgen können Kunden häufig auch keine beliebig hohe Bausparsumme abschließen. Die LBS Baden-Württemberg hat etwa diese Summe für den rendite-orientierten Vertrag auf 15.000 Euro begrenzt. Anleger, die wenig Wert auf das Darlehen legen, sollten die verschiedenen Tarife unbedingt vergleichen. Aufgrund der besseren Verzinsung kann es sogar zu Ertragsunterschieden von mehreren hundert Euro kommen. Zudem sollten Kunden einige Faustregeln beachten, um die bestmögliche Verzinsung zu erzielen. Quelle Süddeutsche Zeitung

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